Coronakrise: Bis zu 45 Prozent weniger Kfz-Schäden

Verkehrsunfall (Symbolbild)
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Die Schäden in der Kfz-Versicherung ziehen wieder an. Die Prognosen, wie sich die Pandemie am Ende in den Bilanzen der Assekuranzen mit großem Kfz-Bestand niederschlägt, sind aber unterschiedlich. Bestimmte Entwicklungen, wie mehr Urlaub mit dem eigenen Auto, könnten die Unfallzahlen überproportional erhöhen.

Kfz-Schäden sind in der Hochphase des Corona-Lockdown um bis zu 45 Prozent zurückgegangen. Das zeigen detaillierte Zahlen der DEVK Versicherungen und eine Blitzumfrage bei weiteren großen Kfz-Versicherern. In der Kfz-Haftpflichtversicherung reicht bei der DEVK der Rückgang von März bis Mai von minus vier bis minus 45 Prozent. In der Kasko-Sparte liegt die Spanne zwischen minus zehn und minus 34 Prozent.

Einen ähnlichen Trend bestätigt Deutschlands größter Kfz-Versicherer, die Huk-Coburg Gruppe. „Wir haben im April 30 bis 40 Prozent weniger Schäden in der Autoversicherung. Seit Mai nehmen die Schäden wieder deutlich zu“, so eine Unternehmenssprecherin.

Kfz-Schäden steigen wieder

Auch bei der DEVK nehmen die Versicherungsfälle wieder zu. In der gesamten Kfz-Sparte lagen sie in der 20. Kalenderwoche (11. bis 17. Mai) noch bei einem Minus von elf Prozent. Beim Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster a.G. (LVM) sanken sie hingegen auch in der Hochphase des Lockdowns nur um rund 20 Prozent.

Der Versicherungsbestand des Unternehmens ist stark ländlich geprägt. Allein die Axa Versicherung AG möchte unterjährig keinerlei Zahlen oder Trendaussagen veröffentlichen. Insgesamt sind sich die großen Kfz-Versicherer einig: Zunächst hätten sich die Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen sehr stark ausgewirkt.

Die Lockerungen würden aber schon wieder zu einem Anstieg der Schadenzahlen führen. Die Ergo Versicherung AG, R+V Versicherung AG und VHV Allgemeine Versicherung AG melden bereits wieder Schadenwerte, die fast auf Vorjahresniveau liegen würden. Nicht alle Autofahrer haben in der Krise ihren Wagen stehen lassen, so die Erfahrungen der R+V Versicherung.

Mehr Verweigerer öffentlicher Verkehrsmittel

Zwar arbeiten einige Kunden seit Wochen im Homeoffice und unterschreiten ihre jährliche Fahrleistung. „Aber es gibt auch viele Pendler, die aus Angst vor der Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen aufs Auto umgestiegen sind und jetzt sogar mehr Kilometer fahren als vorher“, berichtet Rico Kretschmer, Abteilungsleiter Schadenmanagement bei der R+V Versicherung.

Wenn dann noch viele Urlauber auf Flugreisen verzichten und mit dem Auto Ferien in Deutschland machen würden, könnte das sogar zu mehr Schäden führen als vor Corona. Ein sehr mehrdeutiges Bild zeigt sich beim Lieferverkehr. Während einige Firmenchefs ihre Lkw während der Krise stillgelegt haben, mussten andere sogar Fahrzeuge leihen, um den Ansturm bewältigen zu können.

Das gilt laut R+V beispielsweise für Paketdienste oder Zulieferer von Lebensmittelgeschäften und Drogerien. Künftig könnten die Kfz-Schäden auch teurer werden. „Im Vergleich zum Vorjahr stellen wir Preissteigerungen fest“, heißt es bei der DEVK.

Streit um Corona-Hygiene

Gestritten wird bereits um spezielle Desinfektionskosten. Während beispielsweise die Ergo solche Corona-Hygienekosten bis zu einer Höhe von 40 Euro pauschal übernimmt, sind Allianz oder DEVK der Meinung, dass es sich um typische Gemeinkosten einer Fahrzeugreparatur handelt. Ein Rechnungsprüfer, an dem die Allianz beteiligt ist, bestreitet die Notwendigkeit der Reinigung sogar (VersicherungsJournal, 18.05.2020).

„In welchem Umfang eine zu erstattende Zusatzleistung erbracht wird, ist nicht immer nachvollziehbar“, heißt es bei der Allianz. Nicht alle Werkstätten würden hierzu etwas in Rechnung stellen.

„Wenn Aufwände geltend gemacht werden, schwanken die Kosten dabei sehr stark und reichen von 5 bis 70 Euro je Fahrzeug“, so ein Allianz-Sprecher. Der zweitgrößte Kfz-Versicherer verhandelt aber derzeit mit dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) über eine gütliche Lösung.

Kein Prämienrückgang?

Laut Huk-Coburg haben sich auch Aufwendungen für Miet- und Ersatzwagenkosten sowie höhere Transportkosten für Ersatzteile erhöht. Grund seien durch Corona hervorgerufene Logistikprobleme und längere Reparaturzeiten. Für das Gesamtjahr 2020 möchten die meisten Kfz-Versicherer noch keine Gesamtprognose abgeben. So verweist etwa die Ergo darauf, dass die Unwetter- und Hagel-Saison noch vor der Tür steht.

„Wenn sich der Trend so fortsetzt, wird 2020 ein schadenarmes Jahr“, heißt es bei der DEVK. Trotzdem dürfte sich das wohl wenig auf die Prämien auswirken. Diese Meinung vertritt jedenfalls Marktführer Huk-Coburg. „Corona hat zwar Dellen im Unfallgeschehen hinterlassen, es wird vermutlich aber keinen nachhaltigen Prämienrückgang aufgrund von Corona geben“, glaubt die Assekuranz.