Bericht: Mercedes-Manager halten EQC für „Rohrkrepierer“

Bilder: Daimler
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Der 2019 eingeführte EQC ist derzeit das einzige Elektroauto von Mercedes. Die Absatzzahlen des auf Basis des Verbrenner-SUV GLC gebauten Modells sind bisher enttäuschend: Knapp ein Jahr nach Bestellstart wurden in Deutschland nicht einmal 700 Exemplare neu zugelassen, das zeigt dem Handelsblatt nach eine Auswertung des Kraftfahrt-Bundesamtes. Die Behörde zähle für 2019 lediglich 397 Einheiten, in den ersten vier Monaten 2020 seien es 276 Stück.

Elektroautos verkaufen sich immer besser, jedoch weiter deutlich seltener als Verbrenner. Doch auch im direkten Vergleich schneidet der Mercedes EQC schlecht ab: Von Audis elektrischem SUV e-tron wurden von Anfang Mai 2019 bis Ende April dieses Jahres rund 4500 Fahrzeuge neu zugelassen – fast sieben Mal so viele wie vom EQC, berichtet das Handelsblatt.

Führungskräfte halten den EQC laut der Wirtschaftszeitung angesichts der schleppenden Verkäufe wahlweise für einen „Rohrkrepierer“ oder ein „totales Desaster“. Offiziell teilte Daimler mit: „Die aktuellen Zulassungszahlen in Deutschland, beispielsweise beim EQC, sind aus unserer Sicht kein Indikator, um Rückschlüsse auf die Endkundennachfrage und die Absatzentwicklung des Gesamtjahres zu ziehen.“

Dass der EQC von den deutschen Autokäufern verschmäht wird, dürfte insbesondere an der Reichweite liegen: Gemäß WLTP-Fahrzyklus sind 390 Kilometer möglich – der Audi e-tron schafft mit einer Ladung der Batterie bereits 436, das große SUV Model X von Branchenprimus Tesla sogar bis zu 507 E-Kilometer. Auch beim schnellen Laden liegt der EQC hinter der Konkurrenz.

EQC deutlich hinter den Erwartungen

International gehört der EQC ebenfalls nicht zu den E-Auto-Bestsellern: Einer Schätzung der Markforscher von IHS Markit zufolge konnte Mercedes im vergangenen Jahr in ganz Europa nur rund 1400 Einheiten des Modells absetzen. 2020 dürfte das Volumen zwar steigen, mit um die 6000 Stück jedoch weiter auf einem niedrigen Niveau bleiben. Audis e-tron werde dagegen voraussichtlich auf mehr als 21.000 verkaufte Einheiten in Europa kommen. In China findet sich der EQC derzeit nicht unter den zehn meistverkauften Elektroautos, in die USA kommt er erst 2021.

Eigentlich wollte Mercedes in diesem Jahr 50.000 Einheiten des EQC in Bremen und Peking fertigen – dies erscheine mittlerweile „völlig illusorisch“, heißt es laut dem Handelsblatt in Unternehmenskreisen. Offiziell habe der Mutterkonzern Daimler zuletzt erklärt, dass das Produktionsvolumen des EQC und der dazugehörigen Batteriesysteme seit Jahresbeginn „sukzessive gesteigert“ werden.

Inter betrachte man den EQC bei Daimler als „Krücke“ auf dem Weg ins Elektrozeitalter, so das Handelsblatt weiter. Doch auch der demnächst kommende Kleinbus EQV und der kompakte EQA mit E-Antrieb bauen noch auf für Verbrenner entwickelten Plattformen auf. Der erste Voll-Stromer auf der neuen Modularen Elektro-Architektur (MEA) wird der 2021 erwartete EQS im S-Klasse-Segment. Die Premium-Limousine soll nach WLTP 700 Kilometer schaffen.