Autotest Peugeot 2008: Wer den Kompakt-SUV nicht elektrisch kauft, verpasst etwas

Das ist der Neue: Gegenüber seinem Vorgänger hat der Peugeot 2008 in der Länge etwa 14 Zentimeter zugelegt. (Foto: Peugeot)
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Den neuen 2008 bringt Peugeot als Benziner, Diesel und als Elektro-Variante. Doch im direkten Vergleich der Antriebe gibt es einen klaren Sieger.

Die Autokäufer lieben SUVs. Mehr als eine Million davon wurden bis Ende November in Deutschland zugelassen. Besonders gefragt sind die kompakten, hochgebockten Wagen. Doch wer in diesem Segment elektrisch unterwegs sein will, hat bislang kaum Auswahl. Das ändert sich unter anderem dank des Peugeot 2008. Zwar bieten die Franzosen den Kompakt-SUV auch als Benziner und Diesel an. Doch wenn man alle drei Varianten direkt hintereinander fährt, bleiben für die Verbrenner-Modelle nur noch wenige Argumente.

Ob man ein Auto, das 4,30 Meter lang ist und damit deutlich zugelegt hat im Vergleich zum Vorgängermodell (plus 14 Zentimeter) noch als „City-SUV“ bewerben sollte, ist so eine Sache. Allerdings nutzen viele Menschen diese Autos in der Stadt. Die erhöhte Sitzposition sowie das großzügige Platzangebot hat der 2008 seinem kleinen Bruder 208 voraus, den es auch elektrisch gibt – für etwa 6000 Euro weniger. Laut Peugeot gilt bei dem Kleinwagen fast jede dritte Reservierung der Stromvariante. Beim Kompakt-SUV e-2008 geht es bei 35 250 Euro los. Zieht man davon noch die 6000 Euro Umweltprämie ab, ist der Stromer sogar günstiger als der Diesel, der ab 29 950 Euro zu haben ist, aber weniger Serienausstattung bietet. Den günstigsten Benziner bekommt man ab 21 500 Euro.

Während andere Hersteller krampfhaft versuchen, ihre Stromer möglichst anders zu positionieren als die Diesel- oder Benzinmodelle, geht man beim Peugeot-Mutterkonzern PSA den praktischen – und effizienteren – Weg. „PSA würde dieses Auto nicht bauen, wenn man damit kein Geld verdienen würde“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Damit das trotz der höheren Produktionskosten der E-Modelle gelingt, gibt man den Stromern möglichst wenig Eigenständiges. Wo immer es geht, verwendet Peugeot Teile der Verbrenner-Varianten. Die Fabriken sind so gebaut, dass je nach Nachfrage ein Benziner, ein Diesel oder eben ein Elektroauto vom Band rollt. Das führt auch dazu, dass der Elektro-SUV vergleichsweise schnell lieferbar ist: Schon im April gehen die ersten Wagen an die Kunden.

Auch die optische Gleichmacherei könnte funktionieren. Viele Autofahrer sind immer noch skeptisch, ob sie sich mit der neuen Technik anfreunden können. Wer im Elektroauto viel Bekanntes wiederfindet, dem fällt der Umstieg vielleicht leichter. Doch in der Praxis hat es auch kleine Nachteile, dass der e-2008 seinen Verbrenner-Kollegen in vielem gleicht. Zum Beispiel befindet sich der Ladeanschluss hinten links, wo sonst der Tankdeckel sitzt. Nicht gerade clever, wenn man vorwärts an eine Ladesäule fährt. Auch einen weiteren Stauraum unter der Motorhaube, den es bei den meisten E-Autos gibt, sucht man beim e-2008 vergebens. Dafür haben die Franzosen die Akkus in einer H-Form so im Fahrzeugboden verbaut, dass kein Platz im Kofferraum verloren geht. Dort gibt es unter einer Abdeckung noch ein zweites Staufach, in dem man das Ladekabel unterbringen kann. Auch auf der Rückbank leidet im Stromer die Bein- und Kopffreiheit nicht.

Überhaupt hat sich Peugeot bei der Innenraumqualität deutlich verbessert. Hinter dem handlichen Lenkrad schaut der Fahrer auf ein 3-D-Display, in der Mitte gibt es einen weiteren großen Touchscreen und ein paar Hebel, die an ein Flugzeugcockpit erinnern. Hinter einer Klappe versteckt kann man sein Smartphone kabellos laden. Alles wirkt hochwertig und durchdacht, auch wenn einige Extras erst in den teureren Ausstattungslinien Allure und GT an Bord sind.

Dennoch sind beim E-Auto andere Dinge entscheidend: Wie weit komme ich und wie schnell kann ich laden? Peugeot hat dabei einen guten Mittelweg gefunden. Die 50-kWh-Batterie reicht nach WTLP für 310 Kilometer, in einer halben Stunde kann man den Akku an einem Schnellader mit 100 Kilowatt von null auf 80 Prozent füllen. Damit alles möglichst einfach ist, kooperieren die Franzosen mit Free2Move. Deren App kennt 130 000 Ladepunkte in Europa und zeigt sogar an, ob die Säule frei ist. Über diesen Service hinaus kann sich der E-Auto-Fahrer zu günstigen Konditionen einen Verbrenner mieten, wenn es für den Urlaub doch lieber ein Diesel oder Benziner sein soll.

Das größte Plus des elektrischen Kompakt-SUVs ist jedoch sein Fahrverhalten. Obwohl die Beschleunigungswerte des 131-PS-Diesel und des e-2008 auf dem Papier nahezu gleich sind, fühlt sich der Stromer deutlich agiler an. Im Sportmodus geht es ansatzlos durch jede Kurve, die zusätzlichen 300 Kilo merkt man kaum. Nur im Eco-Betrieb ist das E-Auto arg träge unterwegs, was allerdings auch für die Verbrenner-Varianten gilt. Der Diesel lässt sich bei zügiger Fahrweise mit etwa 5,5 Liter auf 100 Kilometer bewegen, beim Benziner können es auch mal sieben Liter werden. Auch deshalb lohnt sich der elektrische 2008. Nach einer Rechnung des Herstellers ist der e-2008 auf vier Jahre und 48 000 Kilometer gesehen pro Monat zehn Euro günstiger als ein vergleichbarer Verbrenner.