Warum es Fahrlehrer so schwer haben, die Umwelt zu schonen

Lehrer Stas Rommel

 
 
 

Es gibt E-Busse, E-Lkw und E-Scooter – aber fast noch keine E-Fahrschulautos. Das liegt in erster Linie an den hohen finanziellen und gesetzlichen Hürden. In Marburg wagt eine Fahrschule dennoch das 100.000-Euro-Experiment.

Ein leises Surren – und schon ist der Audi E-Tron fahrbereit. Fahrschülerin Ella sitzt neben ihrem Lehrer Stas Rommel und bewundert die High-Tech-Ausstattung des brandneuen E-Auto-Modells: Zum Beispiel hat es Kameras statt klassischer Seitenspiegel, außerdem erkennt eine Wärmebildkamera nachts mögliche Gefahren am Straßenrand.

Ella stellt fest: Zwar ist das Elektroauto wegen des großen Akkus viel schwerer als andere Autos, aber trotzdem ist der Motor so gut wie unhörbar. Fahrlehrer Rommel erklärt ihr: „Du musst deshalb ganz besonders auf Fußgänger achten, die hören uns nicht kommen.“

Leises Auto – holpriger Weg

So geschmeidig der Wagen durch die Straßen Marburgs kurvt, so holprig war Rommels Weg zum E-Auto – und teuer. Der Fahrlehrer erklärt: Die meisten E-Autos auf dem Markt seien zu klein für den Fahrschulbetrieb, sie hätten nicht genug Reichweite oder seien schlichtweg zu teuer. Zwei Jahre lang hat er gesucht, aber „nichts Gescheites“ gefunden, wie er sagt.

Der Audi E-Tron ist nun mit Abstand das teuerste Auto, das Rommel für seine Fahrschule bisher geleast hat: Zum stolzen Anschaffungspreises von 105.000 Euro kamen auch noch verschiedene Extra-Ausgaben, etwa für sonderangefertigte Beifahrerpedale. Außerdem musste Rommel beim TÜV Hessen extra ein Gutachten für den E-Tron erstellen lassen, weil bisher nur wenige E-Auto-Modelle für Fahrprüfungen zugelassen sind. Unter anderem ist diese Zulassung so kompliziert, weil der TÜV millimetergenau vorschreibt, wie viel Platz der Fahrprüfer auf der Rückbank haben muss.

Die Fahrschüler „finden’s geil“

Die größte Herausforderung für den Fahrlehrer sind jedoch die Aufladezeiten. „Was die Ladestruktur angeht, hat der Gesetzgeber bisher ein bisschen versagt“, meint er. Weil Rommel mit seinen Schülern täglich bis zu 300 Kilometer fährt, muss er das E-Auto jeden Abend zu einer Ladestation bringen und fünf bis sieben Stunden laden lassen. Bisher sei er noch nie irgendwo liegengeblieben, sagt er – trotzdem sei die Reaktion von anderen Fahrlehrern immer wieder: Warum tust du dir das an?

Bei den Fahrschülern komme das Auto dagegen gut an, meint Rommel. „Die finden’s richtig geil“, sagt er und berichtet, dass eine Schülerin mal gekreischt habe vor Begeisterung. Er selbst hat das Auto vor allem aus Umweltgründen angeschafft. Der Fahrlehrer betont aber, dass er mit Blick auf die Herstellung der Akkus und des benötigten Stroms nicht glaubt, dass Elektro-Autos langfristig der Weisheit letzter Schluss sind. „Ich hoffe, dass wir irgendwann noch bessere Lösungen haben und mit Wasserstoff fahren.“ Bis dahin, meint Rommel, sollte man die Technik nutzen, die momentan zur Verfügung steht.

Fahrlehrerverband: E-Autos sind „absolute Ausnahme“

Laut dem hessischen Fahrlehrerverband sind E-Autos im Fahrschulbereich noch die „absolute Ausnahme“. Das liege an einem aktuellen Konflikt um den Führerschein, den reine E-Fahrschüler momentan machen, sagt der Verbandsvorsitzende Frank Dreier. Denn sämtliche E-Autos haben Automatikgetriebe, Fahrschüler müssen nach der derzeitigen Gesetzeslage eine zusätzliche praktische Fahrprüfung beim TÜV ablegen, wenn sie später auch Autos mit Gangschaltung fahren wollen.

„Das hält viele Fahrschüler davon ab, diese Ausbildung zu machen, und deshalb schaffen sich auch kaum Fahrschulen bisher E-Autos an.“ Dreier spricht sich dafür aus, dass Fahrschüler in Zukunft nur noch einen entsprechenden „Kompetenznachweis“ vom Fahrlehrer benötigen. Dann würden sich auch die hohen Anschaffungskosten für die E-Autos lohnen.

Gesetzesänderung gefordert, aber TÜV stellt sich quer

Im August berichteten Medien darüber, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) einen Vorstoß in diese Richtung plane und die Automatik-Regelung aufweichen wolle. Das kritisiert seitdem vor allem der für Fahrprüfungen zuständige TÜV – aus Sicherheitsgründen.

„Was nicht geprüft wird, wird erfahrungsgemäß auch nicht ausgebildet“, erklärt Uwe Herrmann vom TÜV Hessen. Er verweist darauf, dass viele Fahranfänger nach dem Führerschein zunächst einen Gebrauchtwagen mit manueller Schaltung fahren würden. Das müsse dementsprechend auch vorher gelehrt werden.

Trotzdem ist auch Herrmann überzeugt, dass E-Mobilität in der Fahrschule gefördert werden muss. Er betont, dass man sich momentan bundesweit beim TÜV große Mühe gebe, etwa um zu klären, wie E-Autos leichter für Fahrprüfungen zugelassen werden könnten. Er räumt aber ein: „Tatsächlich hängt die Gesetzgebung der Technik derzeit noch hinterher.“