Test: Effizienzauto mit Extrakick

Ab an die Ladesäule: Der Grundpreis des 330e liegt bei 51 550 Euro. (Foto: BMW)

 
 
 

Der Fahrer hat es in der Hand: Wer auf kürzeren Strecken unterwegs ist und regelmäßig nachlädt, für den lohnt sich der BMW 330e.

Und dann überkommt es einen doch. Einstellung auf „Sport“, die Anzeige im virtuellen Cockpit wechselt auf feuerrot, ein Tritt aufs Gaspedal, der Benzinmotor meldet sich. Als wollte er sagen: „Hallo, ich bin auch noch da.“ Der neue BMW 3er soll in der Hybrid-Variante ein Spaßmobil mit gutem Öko-Gewissen sein. Ohne Reichweitenangst, aber mit einer Extraportion Schubkraft. Das funktioniert erstaunlich gut, am Ende kommt es wie bei allen Plug-in-Fahrzeugen, bei denen ein Verbrenner mit einem kleinen Elektromotor kombiniert wird, auf den Fahrer an.

Reine Elektroautos sind in der Mittelklasse neben dem Model 3 von Tesla immer noch nicht auf dem Markt. Der elektrische BMW i4, der auf dem 4er basiert, kommt erst 2021. So lange bleiben in diesem Segment den Kunden deutscher Hersteller nur Plug-in-Hybride. Im 330e hat BMW mit einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 66 Kilometern zumindest die Voraussetzung geschaffen, dass viele Fahrer ihre täglichen Strecken emissionsfrei bewältigen können. Die Münchner haben die elektrische Reichweite im Vergleich zum Vorgängermodell verdoppelt. Im „Hybrid-Modus“ kann man bis zu einer Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern elektrisch fahren, in der Einstellung „Electric“ geht das sogar bis Tempo 140. Das macht den 330e auch für Menschen interessant, die über kurze Autobahnabschnitte zur Arbeit pendeln. Tatsächlich übernimmt der Elektromotor bei der Testfahrt rund um München auch auf der Autobahn problemlos über mehrere Kilometer die Regie. Dort gilt sowieso meist Tempo 120, sodass man locker im Verkehr mitschwimmen kann, ohne einen einzigen Liter Benzin zu verbrauchen. Im Eco-Pro-Modus rekuperiert der 330e besonders intelligent und dennoch fast unbemerkt. Der Wagen scannt dann durch Sensoren ständig die Umgebung und nutzt Daten aus dem Navigationssystem, um besonders vorausschauend zu fahren, zum Beispiel vor Ampeln oder Abschnitten mit Tempolimit.

Ist die Stromreserve aufgebraucht oder fährt man auf längeren Strecken durchgehend schneller als 140 Stundenkilometer, sind all die schönen Öko-Ansätze jedoch bald dahin. Realistisch ist dann ein Verbrauch von etwa sechs bis sieben Litern auf hundert Kilometer. Das ist für ein Auto mit einer Systemleistung von insgesamt 252 PS zwar immer noch ein guter Wert – für den 300 Kilogramm leichteren 330i gibt BMW einen Verbrauch von 6,1 Litern bei gleicher Leistung an – dennoch ist für Langstreckenfahrer ohne Lademöglichkeit eine sparsamere Dieselvariante die bessere Wahl.

Wer allerdings das Fahrprofil für einen Plug-in-Hybrid erfüllt, also hauptsächlich kürzere Strecken mit regelmäßigen Lademöglichkeiten absolviert, für den ist der 330e wie gemacht. Man merkt dem Wagen an, dass die Ingenieure mit allen Mitteln versucht haben, ein möglichst effizientes Auto zu bauen, das aber trotzdem den Extrakick Sportlichkeit bietet. Das nennt sich beim 3er-Hybrid „Xtra-Boost.“ Im Sportmodus stellt die Hochvoltbatterie für wenige Sekunden 41 zusätzliche PS zur Verfügung. Der Tritt aufs Gaspedal katapultiert das Auto gefühlt noch einmal deutlich schneller nach vorn, als es die Werksangabe (in 5,9 Sekunden von null auf hundert Stundenkilometer) vermuten lässt.

Ansonsten unterscheidet sich der Hybrid-3er kaum von den Verbrennern der gleichen Baureihe. Nur beim Kofferraumvolumen muss man beim 330e kleine Abstriche machen. Weil der Tank nach hinten rutscht, um unter der Rückbank Platz für die Batterie zu machen, passen in den Plug-in 105 Liter weniger Gepäck als in den konventionell angetriebenen 3er. Auch der vergleichsweise hohe Preis hielt bislang viele Autokäufer davon ab, sich für einen Plug-in-Hybrid zu entscheiden. Dieses Argument gilt beim 330e nicht mehr: BMW platziert das Modell mit einem Grundpreis von 51 550 Euro so, dass man nach Abzug der Umweltprämie von 3000 Euro sogar leicht unter dem Preis des 330d liegt (49 450 Euro). Ob sich der Aufpreis zum 330i lohnt, der bei 44 750 Euro startet, hat der Fahrer selbst in der Hand. Wer viele Strecken rein elektrisch fährt, kann den Mehrpreis über die Zeit wieder reinholen.

Damit das passiert, hilft BMW nach. Mit der Funktion „E-Drive-Zones“, die von 2020 an in allen Plug-in-Modellen serienmäßig ist, erkennt das Auto Umweltzonen und schaltet darin automatisch in den Elektrobetrieb. Doch BMW will Hybridfahrer auch über ein Belohnungssystem animieren, möglichst oft elektrisch zu fahren. Dazu führte der Autobauer in Rotterdam Tests durch, bei denen Hybridfahrer Punkte sammelten, wenn sie ihren Wagen im Stadtgebiet rein elektrisch bewegten und an vorgeschlagenen Punkten aufluden. Zudem konnten sie ihr Fahrverhalten untereinander vergleichen. Wer besonders ökologisch fuhr, bekam Prämien, etwa in Form von kostenlosem Ladestrom. Das Ergebnis: Die 50 Teilnehmer legten in drei Monaten über 90 Prozent aller Strecken innerhalb der Rotterdamer E-Drive-Zone elektrisch zurück.